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Einige Gedanken über die äußere Form des Taijiquan

(von Meister Shen Xijing)

Es gibt verschiedene Schulen des Taijiquan und auch sehr viele Menschen, die Taijiquan praktizieren. Daher gibt es zahlreiche Taijiquan-Formen, die unterschiedlichen Stile und Variationen. Die einzelnen Bewegungen werden unterschiedlich ausgeführt, unterschiedlich benannt und unterschiedlich interpretiert. Jeder Vertreter der verschiedenen Schulen und Stile besitzt seine speziellen Vorzüge, aber alle arbeiten mit den gleichen Prinzipien.

Das Ziel, welches mit dem Taijiquan verfolgt wird, gleichgültig ob die eigene Gesundheit wieder herzustellen ist, den Körper zu trainieren oder sich in innerer Kampfkunst zu schulen, kann man nur erreichen, wenn die Prinzipien des Taijiquan verstanden und umgesetzt bzw. praktiziert werden. Dabei ist es nicht wichtig, welcher Stil, welche Form oder welche Schule des Taijiquan gelernt und praktiziert wird.

Auch wenn Taijiquan eine innere Kampfkunst ist und ihre Regeln unabdingbar sind, so ist es aber auch eine Regel, dass wir uns mit unserem Körper (-haltung und -bewegung) auseinandersetzen müssen.

Der Körper folgt auch den Prinzipien des Taijiquan. Ich möchte den Lesern und allen Taiji-Liebhabern und -praktikern meine bescheidenen Erfahrungen und mein noch nicht ausgereiftes Gedankengut über die äußeren Formen und Regelungen des Taijiquan mitteilen. Ich hoffe auf Ihr Feedback, über Anregungen und Kritik würde ich mich freuen.

Unter der äußeren Form des Taijiquan stellen wir uns die Bewegungen, die Körperhaltung vor, die wir vor, während und nach einer Figur einnehmen. Wie wichtig es ist, die Form korrekt zu pflegen, hat Chen Xin (1849-1929), offizieller Vertreter der 16. Generation des Chen Shi Taijiquan in mehreren Werken beschrieben. Unter anderem sagte er: „Innerlich schult man das Qi, äußerlich trainiert man die Form." Damit meinte er, dass wir nicht nur die inneren Prinzipien befolgen sollten, um das eigene Qi zu schulen. Wir sollten auch besonderen Wert auf die korrekte Ausführung (Form) der einzelnen Bewegungen legen.

Wang ZongYue, der in der frühen Epoche der Qing-Dynastie gelebt hat (18. Jh) war ebenfalls ein angesehener Praktiker und Theoretiker des Wushu. Er schrieb: „...die Schritte machen wie eine Katze, das Qi führen wie einen Seidenfaden und sich bewegen wie Tiger und Panther..." Damit wollte er zum Ausdruck bringen, dass wir beim Taijiquan so gewandt und anmutig schreiten sollen wie eine Katze, das Qi innerlich ununterbrochen und fein zirkulierend führen (über korrekte Bewegung und Körperhaltung), so als ob wir einen Seidenfaden abwickeln und dass unsere Bewegungen ausdrucksvoll sein sollten, so wie die des Tigers und des Panthers, die mal lauern und mal plötzlich angreifen, sich mal langsam und mal geschwind bewegen.

Daraus können wir sehen, das beim Taijiquan nicht nur die innere Arbeit wichtig ist, sondern auch die äußere Form. Dabei sollen wir die einzelnen Bewegungen genau ausführen und die Endpositionen korrekt einnehmen. Die Hände, der Blick, der Rumpf, die Hüfte und die Beine müssen ihre Arbeit genau machen und exakt miteinander koordiniert werden. Viele Taiji-Übenden von heute betonen die inneren Regeln so sehr, das sie dabei die äußere Form vernachlässigen. Sie legen zu viel Wert auf die innere Entspannung und kümmern sich nicht ausreichend um die exakten Bewegungen, harmonische Koordination und ästhetischen Ausdruck. So bewegen sie sich ziemlich schlaff und kraftlos ähnlich wie, mit Verlaub gesagt, ein kranke Katze, die nicht mal auf den eigenen vier Beinen richtig stehen und gehen kann.

Selbstverständlich sollten wir beim Taijiquan die Entspannung (Fang Song) beachten und pflegen. Aber unter Entspannung sollten wir nicht Schlaffheit oder gar Haltungslosigkeit verstehen. Die Entspannung beim Taijiquan sollte dazu dienen, das unser Qi im Körper ungehindert zirkulieren kann, und das wir mit unserem Körper frei und gewandt arbeiten können. Zusätzlich zur Entspannung kommt die Gestaltung der Form (Bewegung und Haltung des Rumpfs, der Hände und der Beine) zur Arbeit mit dem Taijiquan dazu.

Diese beiden Aspekte sind wie Yin und Yang, die ebenfalls zusammen gehören. Wenn nur eins davon gepflegt bzw. gebraucht wird, dann ist das Taijiquan nicht nur unvollständig sondern auch falsch, da es dadurch unbrauchbar wird. Als wichtige philosophische Stütze für das Taijiquan gilt die Theorie der Yin und Yang Prinzipien aus dem Daoismus.

Die Gesetzmäßigkeit von Yin und Yang, deren wechselseitige Bedingung, Ergänzung und Förderung, findet ihre Anwendung im Taijiquan. Daher wird Taijiquan auch „Die Faustform von Yin und Yang" genannt. Es ist keine Faustform von Yin oder Yang alleine. Wenn wir nur den Yin-Aspekt (das Innere, Verborgene, das Weiche) einseitig schulen, so ist dies eigentlich nicht denkbar, denn wie soll es existieren ohne Yang (die äußere Form, das Sichtbare, die Härte). Yin und Yang gehören zusammen!

Wir sollten uns daher nicht nur der inneren Schulung, sondern auch der Äußeren widmen. Der Altmeister Wang ZongYue sagte dazu: „Mal verborgen, mal sichtbar." Altmeister Chen Xin sagte noch deutlicher: „Wenn nur das Yin alleine ohne Yang benutzt wird, so wird die Hand schlaff, wenn wir nur das Yang alleine ohne das Yin benutzen, so wird die Hand hart (zerbrechlich). Ein Teil Yin und neun Teile Yang, und das Taijiquan wirkt wie ein harter Stock. Zwei Teile Yin und acht Teile Yang, und das Gleichgewicht wird chaotisch. Drei Teile Yin und sieben Teile Yang, die Härte läßt sich noch deutlich spüren. Schaffen wir es, vier Teile Yin und sechs Teile Yang zu dosieren, dann werden wir gute Praktiker. Erst wenn wir es schaffen, fünf Teile Yin und fünf Teile Yang zusammen zu bringen, dann entsteht kein Extrem mehr und erst jetzt wird das Taijiquan ausgezeichnet.

Wenn ein ausgezeichneter Praktiker das Taijiquan anwendet, dann wird der Angriff des Gegners sich in Nichts auflösen und er selbst ist nicht fassbar.

Das ist für uns ein deutlicher Beleg dafür, wie wichtig es ist, bei der Arbeit mit Taijiquan die Yin- und die Yang-Aspekte zu trainieren. Das Weiche und das Harte soll sich wechselseitig ergänzen. Wir sollten daher sowohl das Innere als auch das Äußere trainieren. Nur so können wir Taiji richtig erlernen und praktizieren, nur so können wir Taijiquan im vollen Genuß erleben. Die meisten Taiji-Übenden haben möglicherweise die Erfahrung gemacht, dass es im Allgemeinen leichter ist, die innere Arbeit (das Führen des qi) zu bewerkstelligen als die äußere Form (korrekte Bewegungen) ästhetisch zu gestalten.

Die äußere Form des Taijiquan ähnelt den Formen der verschiedenen Erscheinungen in unserer Welt (Berge, Flüsse, Bäume, Tiere, Menschen, Gebäude usw.). Manche von ihnen empfinden wir als schön, manche nicht.

Wir normal sterbliche Menschen finden Sachen schön, wenn sie einer gewissen Ordnung, Struktur, Proportion oder Übereinstimmung gehorchen. In China wird so etwas als Sun Yan bezeichnet, ein erfreulicher Anblick. Yan bedeutet Auge bzw. Blick und Sun bedeutet u.a. übereinstimmende Richtung, reibungsloser Verlauf, passende Reihenfolge, sich fügender Zeitpunkt, glatte Angelegenheit etc.

Die äußere Form des Taijiquan gehorcht auch dieser Gesetzmäßigkeit der Ästhetik. Unabhängig davon, wie groß der Bewegungsradius ist, wie tief die Figur ist, man sollte nicht nur einen sicheren Stand haben, flinke Schritte machen und die einzelnen Bewegungen fließend ausführen. Entscheidend ist auch, dass die Arme, Hände, Beine und Füße miteinander in Reihenfolge gebracht werden und in Verlaufsrichtung einwandfrei koordiniert werden. Die einzelnen Bewegungen und die gesamte Abfolge sollen auch korrekt bezüglich der Struktur und vor allem sinngemäß ausgeführt werden. Auch die Geschwindigkeit der Bewegungen bzw. der Schritte muss (dem Sinn gemäß) mal etwas zügiger und mal etwas langsamer ausgeführt werden. Nur so kann die äußere Form des Taijiquan richtig und schön aussehen, und von den Zuschauern genossen werden. Manche Kollegen meinen, dass äußerlich schönes Taijiquan in der Praxis nicht brauchbar sei. Ich kann dieser Meinung jedoch nicht zustimmen. Denn das Taijiquan, welches in der Anwendungspraxis bestehen soll, muss die oben erwähnten Regeln befolgen. Nur so kann es effizient sein, um den Gegner zu überwinden!

Wie sollten wir den Angriff des Gegners zur Seite leiten und ihn zugleich aus dem Gleichgewicht bringen, wenn wir die Handbewegungen nicht über den Rumpf mit den Schritten bzw. der Beinarbeit zeitlich passend ausführen? Oder wenn die Bewegung von Händen, Hüfte und Beinen nicht angepasst in die richtige Richtung gebracht wird? Und, und und... D. h. die wirksame Anwendung des Taijiquan als innere Kampfkunst basiert einzig und allein auf der oben genannten korrekten Gestaltung von Bewegungen, Schrittarbeit und Körperhaltung, der äußeren Form also. Ein in der Kampfkunst wirksames Taijiquan sollte deswegen bei den Übenden und den Zuschauern einen erfreulichen Anblick erzielen, d.h. seine Bewegung und Haltung (innerlich und äußerlich) muss ästhetisch sein.

Wir können die Bestätigung dieser Tatsache bei Sportarten wie z.B. Laufen, Hochsprung, Speerwurf, Tanzen, Reiten und anderen körperlichen Beschäftigungen nachvollziehen. So kann die beste Leistung beim Sport nur erzielt werden, wenn die Bewegungen bzw. der Körpereinsatz einwandfrei ist. In diesem Fall sehen die Bewegungen auf natürliche Weise sehr schön und harmonisch aus.

Wenn wir diese Regel nicht befolgen, so können wir die innere Jin-Kraft nicht bis in Hände und Füße leiten. Wie soll Taijiquan in diesem Fall seine Wirkung zeigen?

In diesem Fall kann die innere Arbeit nicht einwandfrei umgesetzt werden. Wenn Jin nicht vom Dantian in die Hände und Füße übertragen werden kann, sind in der Regel die Meridiane nicht durchlässig. Wenn die Leitbahnen nicht durchlässig sind, wie kann dann Qi und Xue frei zirkulieren, wie kann Qi seine Wirkung entfalten?

Bei der Schulung der äußeren Form sollten wir in der Arbeit mit dem Blick, der Handbewegung, dem Rumpf, der Schrittarbeit und der Anwendung ansetzen. Denn mit ihnen können wir die äußere Form gestalten und den geistigen Gehalt der Folge zum Ausdruck bringen.

 

1.  Der Blick

In allen Kampfkunstschulen legt man sehr großen Wert auf die richtige Arbeit mit dem Sehen. Denn dies ist der äußere Ausdruck der geistigen Leistungen und hat daher eine führende Funktion in der Kampfkunst.

Eine bewusste und gezielte Bewegung wird von unserem Gehirn gesteuert. Die Ausführung der Bewegung durch den Körper wird vom Blick geleitet und kontrolliert. Das Gelingen einer Körperbewegung, unter anderem die Exaktheit und die Gewandtheit, ist daher stark von dem Sehen abhängig. Außerdem sollte man versuchen, die Absicht des Gegners zu erraten. Dazu müssen wir unseren Gegenüber genau beobachten, um gewisse verräterische Informationen so früh wie möglich zu erkennen. Daher sollten wir bei der Gestaltung der äußeren Form des Taijiquan den Blick stets achtsam einsetzen, wie eine wachsame Katze beim Mäusefangen.

2.  Die Handbewegung

Die Handbewegung wird in der Kampfkunst als das Tor der Anwendung bezeichnet. Dabei setzen wir die verschiedenen Techniken wie Peng, Lü, Ji, An, Cai, Lie, Zhou und Kao ein. Die Handbewegungen sollten nach den folgenden Kriterien ausgeführt werden: "Äußerlich nachgiebig wie ein Wattebausch, innerlich stabil wie Stahl", „ In der Weichheit ist die Härte vorhanden und in der Härte ist die Weichheit vorhanden", „Gewandt und standhaft zugleich", „Wenn sich die eine Hand vorwärts oder rückwärts bewegt, so folgt die andere Hand gleich", „Beide Hände bewegen sich wie eine Schraube", „Langsamkeit und Schnelligkeit ergänzen sich passend", „ Wenn sich der Gegner schnell bewegt, reagieren wir auch schnell, wenn der Gegner sich langsam bewegt, dann reagieren auch wir langsam." Nur so können wir uns bewegen, sodass die Hand aus dem Herzen gesteuert wird und das die folgenden Bewegungen mit den vorhergehenden organisch verschmelzen. Diese machen unsere Bewegungen sowohl gehaltvoll als auch ästhetisch.

3.  Der Rumpf

Der Rumpf übernimmt die Schlüsselrolle in der Bewegung in jeder Kampfkunst. Altmeister Chen Xin hat gesagt: „Taijiquan ist eine Selbstverteidigungsmethode. Den Körper muss man flexibel einsetzen: mal senkrecht und mal schräg zur Seite, mal nach vorne und mal nach hinten, mal geradeaus und mal kurvig und biegsam, mal nach links und mal nach rechts, mal hinauf und mal hinunter, mal zum Boden und mal in die Luft, mal zurückziehen und mal angreifen. Die Bewegungen sind sehr verschieden, sollten aber alle mit dem Qi aus der Mitte des Körpers ohne Bruch des Zusammenhangs heraus kommen. In der Praxis mit dem Gegner wird man dann herausfinden, ob man dies erfüllt."

Das Qi ist die Grundlage der Bewegungen und sollte den Körper lenken, um die Bewegungen auszuführen. Aber das Qi selbst muss aus der Mitte des Körpers (des Rumpfes) stammen. Chen Xin meinte dazu: "Es ist gleichgültig, ob die Bewegungen einen großen oder kleinen Radius haben; entscheidend ist, ob man sich flink, gewandt und lebendig bewegt."

4.  Die Schrittarbeit

Die Schritte sind nicht nur das Fundament der Bewegungen, sondern auch maßgebend für den Ausgang im Kampf. Die Gewandtheit und Stabilität sind beide gleichermaßen wichtig bei der Schrittarbeit. Wenn wir gehen, sollte es so leicht und sicher sein wie bei einer Katze. Die Schritte sollen flink sein und beide Beine sollen die Arbeit genau machen. Die Xu-Leere (unbelastetes Bein) muss sich klar von der Shi-Fülle (belastetes Bein) unterscheiden. Aber Xu bedingt ein bisschen Shi in sich und umgekehrt. Gemeint ist, wenn ein Bein den Boden verlässt, so muss es neben der Leichtigkeit gleichzeitig sicher und stabil sein. Das tragende Bein sollte nicht nur standhaft bleiben, sondern auch zu jeder Zeit flink bewegt werden können. Außerdem sollte man die Schritte und die Handbewegungen zusammen koordinieren. Wie in einem Team arbeiten Hände und Füße zusammen, nicht jeder Teil für sich und schon gar nicht gegeneinander. Oben folgt unten und umgekehrt. Die Hände harmonisieren mit den Füssen, die Ellbogen mit den Knien und die Schultern mit den Hüften. Die Füße kommen vorwärts, wenn die Hände nach vorne bewegt werden, sie ziehen sich zurück, wenn wir mit den Händen Rückwärtsbewegungen machen. Wang ZongYue hat in „Die 13 Bewegungen des Taijiquan" die Grundschritte entsprechend dem Wu Xing (5 Wandlungsphasen) beschrieben: vorwärts, rückwärts, nach links und nach rechts gehen und in der Mitte ruhen.

Diese fünf Grundschritte sollten wir nicht nur sehr genau erlernen, vielmehr sollten wir ihre Quintessenz (flexible Veränderungen und Variationen) studieren und beherrschen. Nur so können wir gewandte und stabile Schritte ausführen. Man sagt, in der Kampfkunst die Schrittarbeit nicht zu erlernen, sei wie ein Wagen ohne Räder.

5.  Die Anwendung

Viele von uns üben Taijiquan in erster Linie um gesund zu bleiben oder zu werden. Daher kümmern sie sich nicht um die Bedeutung der einzelnen Bewegungen und Figuren in der Anwendung bzw. der Selbstverteidigung. Manche von ihnen lehnen sie sogar ab, weil sie meinen, dass Taijiquan sanft und friedlich sei. Natürlich müssen wir Taijiquan nicht als Kampfkunst einsetzen. Aber wenn wir nicht begreifen, welchen Sinn die Bewegungen haben, so sind wir nicht in der Lage, sie korrekt auszuführen.

Die Handbewegungen, die Körperhaltung und die Beinarbeit befolgen alle natürliche, physikalische und anatomisch-physiologische Gesetze. Äußerlich kann der Zweck der Selbstverteidigung erst erzielt werden, wenn eine gewisse Effizienz der gezielten Handbewegungen, eine günstige Positionierung des Körpers, Standstabilität sowie schnelles Reaktionsvermögen vorhanden sind.

Die äußerliche Wirkung kann sich erst entfalten, wenn das Qi willentlich und beliebig gesteuert werden kann und die Jin-Kraft optimal eingesetzt werden kann. Diese beiden inneren Wirkungen können erst aufgrund der einwandfreien Zusammenarbeit zwischen Handbewegung, Körperhaltung und Schrittarbeit zustande kommen. Wenn wir die ursprünglichen Bedeutungen in der Selbstverteidigung nicht begreifen oder gar ablehnen, so werden wir möglicherweise die oben genannten grundlegenden Voraussetzungen verfehlen. In diesem Fall bewegen wir uns falsch, das Qi wird in seiner Zirkulation gestört oder behindert und Jin kann sich nicht entfalten. So kann das Ziel, die eigene Gesundheit zu fördern, nicht erreicht werden. Also sollten wir diesen wichtigen Aspekt des Taijiquan in der Selbstverteidigung annehmen, auch wenn wir nicht damit kämpfen wollen.

Nur so kann Yi das Qi lenken, unser Qi kann die Kraft katalysieren, unsere Kraft den Körper bewegen, unser Körper die Hand führen, unsere Füße unseren Händen folgen und der ganze Mensch einheitlich zusammen geschlossen bleiben. Auf diese Weise arbeiten alle Teile des Körpers harmonisch miteinander und das Äußere (Körper / Kraft) und das Innere (Geist / Qi) bilden nun eine untrennbare Einheit.

So sind nicht nur unsere Bewegungen ästhetisch und effizient, wir können auch die gesundheitlichen Wirkungen voll genießen.

Wenn   wir   beim   Erlernen   und   Üben   von    Taijiquan  diese   fünf   wichtigen   Aspekte   voll berücksichtigen und danach trainieren, werden wir die äußere Form sicherlich gut gestalten.

Damit werden wir unsere Fähigkeit im  Taijiquan   besonders gut schulen können und auch die inneren Werte in vollem Umfang erfahren können.

Wenn Sie neugierig sind, dann können Sie durch folgende zwei Möglichkeiten überprüfen, ob Sie

die äußere Form gut geschult haben.

1.  Praktizieren Sie mit einem Partner Tuishou. Wenn Sie dabei Ihre Fähigkeit im Taijiquan nach den Regeln des Tuishou umsetzen können, dann können Sie davon ausgehen, das Sie Ihre äußere Form gut geschult haben.
Dabei sollten Sie beachten, das es nicht das Ziel des Tuishou ist, den Partner wegzuschieben.
Richtiges Tuishou bedeutet vielmehr, das Sie auf die Bewegungen des Partners eingehend reagieren und die Wirkung eines Angriffes somit schon im Keim auflösen können.

2.   Wenn die Zuschauer bei Ihrer  Taijiquan-Vorführung von der Ästhetik Ihrer Bewegungen fasziniert sind, und von der Harmonie Ihres Geistes und Ihres Körpers angezogen werden, dann haben Sie ebenfalls Ihre äußere Form gut geschult. Wenn die Zuschauer Ihrer Vorführung immer wieder auf diese Weise gerne beiwohnen wollen, dann ist die äußere Form gut trainiert.
Denn diese Stufe Ihrer Fähigkeit entspricht einer schönen Musik, die ihre Zuhörer durch ihre Melodie und Rhythmus fesselt. Wie Chen Xin schon sagte: „Wenn Xing (Gestalt / Fom) und Yi(Bewusstsein / Geist) voll präsent sind, kann Taijiquan die Zuschauer berauschen."

 

 

 

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