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Taiji ShiSanBa

(von Meister Shen Xijing)

Shisanba ist ein kurzer Taiji-Stock. Seine Länge von etwa 1,10 Meter entspricht dreizehn (Shisan) Faustbreiten (Ba). Er wird als der König der kurzen Waffen in der chinesischen Kampfkunst bezeichnet.

Der Überlieferung nach wurde diese Waffenform von dem daoistischen Priester Wang Chongyang, Gründer der daoistischen Richtung Quanzhen (Vollkommene Wahrhaftigkeit) erfunden.

Ursprünglich wurde der Stock von den daoistischen Priestern als Spazierstock oder zum Verjagen von wilden Tieren in den Bergen benutzt. Dann entwickelte sich aus den gesammelten Bewegungen eine Form, die sowohl für die Stabilisierung des Körpers und die Bewahrung der Gesundheit als auch zur Selbstverteidigung eingesetzt wurde.
Später wurde diese Form auch an Laienanhänger der daoistischen Schulen vermittelt, die sie dann weitergegeben haben.

Die Länge dieses Kurzstocks wurde - in Anlehnung an die dreizehn Grundbewegungen (Shisan Shi) des Taijiquan - bewusst auf dreizehn Faustbreiten festgelegt.
Diese dreizehn Grundbewegungen setzen sich aus acht Handtechniken und fünf Schrittarten zusammen.
Jede der dreizehn Faustbreiten des Stocks (Shisanba) vertritt eine dieser dreizehn Grundbewegungen. Die Anwendungen des Kurzstocks richten sich ebenfalls nach den Kriterien der Grundbewegungen.
Die acht Handbewegungen entsprechen den acht Trigrammen (Bagua) und diese wiederum den acht Himmelsrichtungen. Sie werden daher auch die acht Pforten (Ba Men) genannt. Peng, Lü, Ji und An sind die vier Handtechniken in geraden Richtungen. Cai, Li'e, Zhou und Kao weisen in die Diagonalen.

Acht Trigramme:

Acht Richtungen:

Acht Handtechniken:

Kan (Wasser)

Osten

An (Stoßen)

Li (Feuer)

Westen

Ji (Drücken)

Kun (Erde)

Süden

Lü (Zurückrollen)

Tian (Himmel)

Norden

Peng (Abwehren)

Gen (Berg)

Südost

Kao (Schulterstoß)

Zhen (Donner)

Südwesten

Zhou (Ellbogenstoß)

Xun (Wind)

Nordosten

Lie (Spalten)

Dui (See)

Nordwesten

Cai (Entwurzeln)

 
Die fünf Schrittarten (Wubu) werden nach den fünf Elementen bzw. Wandlungsphasen (Wuxing) bestimmt.

Fünf Elemente/ Wandlungsphasen:

Fünf Schrittarten:

Feuer (Huo)

Vordringen (Jinbu)

Wasser (Shui)

Zurückweichen (Tuibu)

Holz (Mu)

Nach links schauen (Zuogu)

Metall (Jin)

Nach rechts blicken (Youpan)

Erde (Tu)

In der Mitte ruhen (Zhongding)


Im Taijiquan, das zu den inneren Schulen der Kampfkunst zählt, sollen die acht Handbewegungen und fünf Schrittarten korrekt ausgeführt und harmonisch miteinander verbunden werden. Dies wird gelingen, wenn die Gesetze der acht Trigramme und der fünf Elemente, letztendlich die Gesetzmäßigkeit von Yin und Yang, beachtet werden.

Die Form des Taiji Shisanba beinhaltet insgesamt 45 Folgen. In den verschiedenen Folgen werden die dreizehn Grundtechniken der Waffe integriert: Dian (Antippen), Ci (Stechen), Pi (Hacken), Liao (Aufhängen), Peng (Abwehren), Jiao (Einwickeln), Gua (Aufspießen), Sao (Hinwegfegen), Dai (Wegführen), Ling (Zurückführen), Dang (Vorwärts Gegenhalten), Lan (Seitwärts Blockieren) und Na (Zügeln durch Drehung).

Bei der Ausführung der Form sollten folgende Punkte beachtet werden:

1. Die Bewegungen fließend (ohne Unterbrechung) miteinander verbinden

2. Das Yin und das Yang beachten

3. Alle Gelenke des Körpers öffnen

4. Das Qi an die vier Enden leiten

5. Die Schritte nach den fünf Elementen führen

6. Die sechsfache Übereinstimmung beachten

7. Die sieben anzugreifenden Positionen5 des Gegners im Auge behalten

8. Die acht Trigramme im Herzen bewahren

Mit Yi-Gedanken/Achtsamkeit führen wir das Qi, mit dem Qi mobilisieren wir die Kraft, durch die Kraft führen wir den Körper und der Körper leitet den Stock. Die Hände verlassen nicht den Stock und der Stock verlässt nicht den Übenden. So wird der Stock zu einem Teil des Körpers.

Charakteristisch für Taiji-Shisanba ist, dass Hart und Weich einander ergänzen, Schnelligkeit und Langsamkeit sich wechselseitig unterstützen, in der Bewegung die Ruhe spürbar und in der Ruhe die Aktion präsent bleibt.
Der Körper ruht wie ein Berg, bewegt sich blitzschnell und gewandt wie eine Katze. Das Qi fließt spiralförmig und ungehindert durch den Körper und der Körper bewegt sich wie fließendes Wasser.
Die Bewegungen und Körperhaltungen wirken großzügig und geschickt. Äußerlich sind die Bewegungen imposant und anmutig, innerlich füllt das Qi die Mitte ganz aus.

Taiji-Shisanba - die Kurzstock-Form des TaijiDao - ist raffiniert und einzigartig. Sie umfasst die wichtigsten Elemente der inneren Kampfkünste wie die Kunst des Körpereinsatzes des Taijiquan, die gewandten Schritte des Xingyiquan (Xingyibu) und die geschickten Hand- und Körperbewegungen (Shenfa) des Baguazhang. Sie ist außerdem sehr wirksam in der Gesundheitspflege.

Aufgrund dieser Vorgehensweise kann das Qi die drei Engpässe im kleinen Kreislauf ohne Mühe überwinden, so dass sich das Qi überall im Körper bewegen kann und alle Organe ausreichend mit Qi und Blut versorgt werden. Nach Auffassung der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM) bleibt die Gesundheit erhalten, wenn das Qi ungehindert in den Meridianen fließen und das Blut im gesamten Körper zirkulieren kann.

Die Wirkung der Form kann man wie folgt zusammenfassen:

1. Das Yaofa des Taijiquan, also die Arbeit mit der Körperregion Yao (Lenden/Kreuz und Beckengürtel), führt dazu, dass wir die Bewegungen aus der Körpermitte heraus ausführen. Dabei wird diese Körperregion in ihrer Beweglichkeit und Stabilität trainiert, so dass die Form sehr geeignet ist, Bandscheibenvorfall, Rücken- und Kreuzschmerzen durch Abnutzung und Hexenschuss vorzubeugen und zu behandeln. Außerdem wird das Qi aus dem unteren Dantian stabilisiert, damit die Nieren und die Sexualorgane ausreichend mit Qi versorgt werden.

2. Die Schritte (Bu) des Xingyi führen dazu, dass wir die Beine geschickt benutzen. Dabei müssen wir das linke mit dem rechten koordinieren und beide Beine mit dem Rest des Körpers (Arme und Rumpf). Auf diese Weise werden die Beine gewandt, sicher und gut durchblutet. Die Beinmuskulatur wird gekräftigt, die Gelenke werden beweglich. Außerdem wird die Koordinationsfähigkeit gut geschult.

3. Das Shenfa (die Hand- und Körperbewegungen) des Bagua trainiert die Geschicklichkeit von Rumpf, Nacken, Schultern und Händen. Die Glieder werden gut durchblutet und stabilisiert. So können Nackensteife oder -schmerzen und Schulter-Arm-Beschwerden effektiv vorgebeugt oder behandelt werden.

4. Die drei genannten elementaren Methoden des Shisanba begünstigen zusammen den Qi-Kreislauf in den Meridianen, so dass alle Organe ausreichend Qi und Blut erhalten um ihre Aufgaben optimal bewältigen zu können. Nach Auffassung der TCM wird so die Voraussetzung geschaffen, um sich an veränderte Umweltbedingungen anzupassen und den Herausforderungen durch zusätzliche Belastungen in Stresssituationen gewachsen zu sein. So werden Widerstandsfähigkeit und Selbstheilungskraft gefördert.
Daher eignet sich TaijiDao-Shisanba sehr gut zur Behandlung und Vorbeugung von vielen chronischen Erkrankungen des Atmungstrakts, des Herzkreislaufsystems, des Verdauungstrakts, des Stoffwechselsystems, der Harnorgane und der Sexualität. Auch bei der Stressbewältigung kann Shisanba gute Hilfestellung leisten.

5. Die geistigen Fähigkeiten werden besonders geschult. Dies geschieht zum einen durch den Einsatz des Blicks zur Beobachtung der sieben Positionen des fiktiven Gegners (Qixing), zum anderen durch die Art und Weise, wie Bewegungen achtsam im Voraus geführt werden, wie die Teile des Körpers miteinander koordiniert werden und wie in jeder Aktion die geistige Mitte bewahrt wird.
So kann TaijiDao-Shisanba einen wichtigen Beitrag gegen Konzentrationsschwäche und nachlassende Hirnfunktionen wie Altersdemenz leisten. Außerdem werden Achtsamkeit und die Fähigkeit zur Vorausschau geschult.

All diese Faktoren tragen dazu bei, dass TaijiDao-Shisanba eine wirksame Methode zur Aufrechterhaltung der Gesundheit darstellt, die zugleich ästhetisch, imposant und faszinierend ist und Übenden viel Freude bereitet.

Anmerkungen:

1. Hier bedeuten Yin und Yang unter anderem Belastung und Entlastung durch das Körpergewicht sowie Entspannung und Anspannung

2. Chinesisch Si Shao bedeutet wörtlich vier Enden. Gemeint sind Haare, deren Qualität vom Blut abhängt, Finger, deren Beweglichkeit von den Sehnen kontrolliert wird, die Zunge, deren Zustand von den Muskeln bedingt ist, und die Zähne, deren Stabilität von den Knochen beeinflusst wird.

3. Chinesisch Wu Xing sind die Grundelemente in der chinesischen Philosophie, aus denen sich alle Dinge unseres Kosmos zusammensetzen. Im Taijiquan werden die fünf Schrittarten (siehe oben) nach den fünf Elementen benannt, um die Wichtigkeit dieser Schritte für die Form und die Anwendung zu verdeutlichen.

4. Chinesisch Liu He, Liu bedeutet sechs und He Vereinigung, Schließen, Harmonie bzw. Übereinstimmung. Im Taijiquan ist hiermit gemeint, dass Herz und Achtsamkeit (bzw. Gedanken), Qi und Kraft, Bänder und Knochen, Hände und Füße, Ellenbogen und Knie Ging / Buch der Wandlungen).

5. Chinesisch Qixing bedeutet wörtlich sieben Sterne und sinngemäß das Sternbild des großen Bären. Diese sieben Positionen sind Kopf, Schulter, Ellenbogen, Hand, Hüfte, Knie und Fuß.

6. Chinesisch Ba Gua. Die acht Trigramme versinnbildlichen die Grundstruktur unserer Welt (siehe oben) und sind die Basis des chinesischen Orakels Yijing (I Ging / Buch der Wandlungen).

7. Diese Methode ist unter anderem gekennzeichnet durch die geschickte Arbeit mit dem Beckengürtel, chinesisch Yao Fa (wörtlich Lenden/Kreuz).

 

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